Neckarschleifen

Was ist „Integrierte Ländliche Entwicklung“ ?

Bund, Länder und EU haben in den letzten Jahren die Entwicklung der ländlichen Regionen tatkräftig unterstützt. Mit der Fördermaßnahme „Integrierte Ländliche Entwicklung" (ILE) möchte die Bundesregierung daran anknüpfen und die ländlichen Räume auf zukünftige Herausforderungen wie demographischen Wandel oder veränderte wirtschaftliche Bedingungen bestmöglich vorbereiten. Dabei soll die integrierte ländliche Entwicklung auf den regionalen Potenzialen und dem Know-How der örtlichen Bevölkerung aufbauen. Themenübergreifende Ansätze und partnerschaftliches Handeln sind gefragt! 

ILE ist seit 2004 eine „feste Größe“ bei der zukunftsfähigen, lebenswerten und attraktiven Gestaltung der ländlichen Räume in Deutschland durch bürgernahe Projekte und Maßnahmen.

Ländliche Entwicklung aktiv gestalten – Leitfaden zur integrierten ländlichen Entwicklung

Definition: Integrierte Ländliche Entwicklung

„Integrierte ländliche Entwicklung bedeutet gleichzeitig soziale, kulturelle und wirtschaftliche Ansprüche an den ländlichen Raum mit dessen ökologischen Funktionen in Einklang zu bringen. Integrierte ländliche Entwicklung ist ein gebietsbezogener, sektorübergreifender, partnerschaftlicher, dynamischer und langfristiger Ansatz. Ziel ist es, die verschiedenen Sektoren in eine gemeinsame Entwicklungsstrategie auf verschiedenen Ebenen mit verschiedenen Umsetzungsmaßnahmen zu integrieren.“

(Quelle: Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft 2014: 6)

Herausforderungen der ländlichen Räume

Unsere ländlichen Räume können sich sehen lassen: Sie sind außerordentlich vielfältig; ihre spezifischen Landschaftsbilder und Baukulturen stiften Identität; ländliche Gemeinschaften pflegen regionale Traditionen und bieten ein großes kulturelles Angebot. Gleichzeitig stehen viele ländliche Räume aktuell und insbesondere in Zukunft vor großen Herausforderungen: Sie brauchen Unterstützung, um den Auswirkungen des demographischen Wandels zu begegnen, die öffentliche Daseinsvorsorge zu sichern und Leerständen in Ortskernen entgegenzuwirken. Zudem brechen in den ländlichen Räumen oftmals Arbeitsplätze und Wirtschaftskreisläufe weg: Hiervon sind häufig tradierte Sektoren wie die Landwirtschaft oder auch der Weinbau betroffen.

Vor diesem Hintergrund und bedingt durch das im Umfeld prosperierender Regionen anhaltende Siedlungswachstum sowie die Auswirkungen der Energiewende hat sich in den letzten Jahrzehnten ein deutlicher Wandel der Landschaftsbilder, aber auch der Dorfstrukturen vollzogen. In diesem Spannungsfeld wird es immer schwieriger, den Belangen von Denkmalschutz und dörflicher Baukultur sowie von Landschaftsschutz und -pflege angemessen gerecht zu werden. Deshalb gilt es, die ländlichen Räume mit ihrem hohen Identifikationspotenzial zu stärken.

 

Was bedeutet ein „integrierter" Ansatz?

Die ländlichen Räume müssen sich mit diesen Herausforderungen auseinandersetzen. Um an den richtigen „Stellschrauben“ ansetzen zu können, werden zunächst „Integrierte Ländliche Entwicklungskonzepte" (ILEK) erarbeitet. Aufbauend auf vorhandenen Stärken und Schwächen werden Handlungsschwerpunkte, Maßnahmen und Leitprojekte festgelegt.

Die Menschen vor Ort können dazu einen wesentlichen Beitrag leisten: Sie kennen ihre Region und wissen, wo der Schuh drückt. Genau deshalb wird auf die Mitarbeit unterschiedlicher Akteursgruppen wie der Bürgerinnen und Bürger, aber auch Vertreter aus den Bereichen Politik, Verwaltung, Wissenschaft und Wirtschaft gesetzt. 

„Integriert“ heißt also, dass viele Interessierte während des gesamten Prozesses zusammenarbeiten und ihre eigenen Überlegungen zu einer zukunftsfähigen Gestaltung ihrer Heimat beitragen. „Integriert“ bedeutet aber auch, die sozialen und kulturellen, wirtschaftlichen und ökologischen Aspekte stets gemeinsam im Blick zu haben. Im Vordergrund steht also nicht, Lösungen nur für einzelne Sektoren zu suchen. Vielmehr geht es darum, themenübergreifende Ansätze zu finden. Die Region mit all ihren Facetten rückt ins Blickfeld.

(Quelle: eigene Darstellung nach BMEL 2014: 6; dort verändert nach: Schubert 2002)